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Das Haflingerpferd am Tschögglberg

Haflinger Von Anfang an lenkten verschiedene Organisationen die  Geschicke der Südtiroler Haflingerzucht. Nachdem im Jahr 1867 das K.u.K. Ackerbauministerium die Zuständigkeit für die Pferdezucht in Südtirol erhalten hatte, wurde mit mehreren Paarungsinitiativen begonnen. Bereits damals klar ersichtlich war, dass einer eigenen geregelten Zucht vor allem militärische Überlegungen zugrunde lagen.
Der fünfjährige orientalische Hengst El Bedavi XXII zeugte im Jahre 1873 mit einer veredelten Landstute galizischer Herkunft in Schluderns ein  prächtiges Hengstfohlen namens 249 Folie, das den Prototyp des Tragpferdes und den Phänotyp für den Aufbau der späteren Haflinger Pferdezucht darstellte.
249 Folie war ein Goldfuchs mit dem typischen Aalstreifen, den er von seiner Mutter geerbt hatte. In ihm verbanden sich die von der Mutter vererbte Kraft und die typischen Merkmale des Gebirgspferdes mit dem Adel und der Eleganz des orientalischen Vaters. Man beschrieb ihn als "Muskelpaket mit Araberadel, langer schräg gelagerter Schulter, strammem Rücken, gerader Kruppe, tiefer Bemuskelung, kräftigen Gelenken, weiträumigem, korrektem Gang und herrlichem Temperament“. Alle sieben Blutlinienbegründer der Haflingerzucht gehen ausnahmslos auf den Hengst Folie zurück.
Mit Erlass des K.u.K. Ackerbauministeriums, vom 2. Mai 1898, wurde  die Rassenbezeichnung „Haflinger“ offiziell genehmigt. Südtirol gilt als das Ursprungsland des Haflingerpferdes.

Das Haflinger Pferd, ein Kind der Südtiroler Berge, entwickelte sich bestens in seiner engeren Heimat Tschögglberg. Vor allem durch die  Gründung der ersten Haflingerpferde -Zuchtgenossenschaft im Jahr 1904  in  Mölten wurde das ehrgeizige Ziel der Förderung der Rasse und insbesondere der Reinzucht erfolgreich vorangetrieben. Durch die Einführung eines Stuten und Hengstbuches und die strenge Regelung der Zucht erlebte die Haflingerzucht am Tschögglberg binnen weniger Jahre ihre erste Blüte.

In enger Verbindung mit der I. Haflingerpferdezuchtgenossenschaft zu Mölten steht der Tschauferhof. Dieser wurde von der Genossenschaft als Aufzucht- Hof  genutzt. Durch strenge Auslese und gleichzeitig harte Aufzucht der Hengste  wurde das Ziel eines einheitlichen Rassetyps gewährleistet. Die Haflinger - Pferde wurden vor allem als Saum und Tragpferde verwendet. Der Grundstock  für die spätere Zuchtarbeit war geschaffen.

Mit den Jahren, bedingt durch die Mechanisierung, wurde das Haflingerpferd als Arbeitstier  in den Hintergrund gestellt und vermehrt für Freizeit und Sporttätigkeiten eingesetzt.
Pferdesportveranstaltungen wie das traditionelle Galopprennen am Ostermontag in Meran, Pferdeschlittenrennen und Skijöring sind heute sehr beliebt.
Auch der Fremdenverkehr zeigt großes Interesse am Haflingerpferd. Interessierte Feriengäste und die einheimische Jugend erkundete bei Reitausflügen die nähere Umgebung.
Heute wird der Haflinger vorwiegend als Freizeitpferd genutzt und bietet dabei viele naturnahe Erlebnisse am Tschögglberg.

Erste Beschreibung des Haflingerpferdes ( Graf Huyn 1897)

Der Haflinger ist ein kleines, 150 bis 160 cm ( Bandmaß) hohes Gebirgstragtier, kurz, breit über viel Boden, hat breiten Rücken, gewölbte Lende, ist gut gerippt und tief, mit nicht sehr langer Kruppe, vielleicht etwas wenig Widerrist, kurzen Röhren, starken Fesseln, vorzüglichen Hufen, breiten gut gewinkelten Gelenken. Der nicht sehr hoch angesetzte Schweif wird wenig getragen . Der starke, oft etwas verkehrte Hals ist gut aufgesetzt, kurzes starkes Genick, breiter kurzer trockener Kopf, leichter Eindruck am Nasenrücken kommt oft vor, lebhafte Augen, guter raumgreifender praktischer korrekter Gang verbunden mit großer Geschicklichkeit und Vertrautheit im schwierigsten Terrain. Der Haflinger ist sehr willig und arbeitsfreudig, ohne sich vom Reiter oder bei der Verwendung als Saumtier vom Treiber in der Wahl des günstigsten Weges und in der Einteilung der notwendig erscheinenden Ruhe und Verschnaufpause behindern zum lassen. In der Nahrung genügsam in der Arbeit unverdrossen ohne sich zu beeilen.“

Das Haflinger Pferd

Haflinger Wer einmal einen der steilen Saum- und Höhenwege, welche vom Etschtal zum Tschögglberg emporführen, gegangen ist, mag erahnen, mit wie viel Mühe sich einstens der Personen- und Warenverkehr hier vollzogen hat. Die sehr frühe Besiedlung des Tschögglberges bewirkte notgedrungen die Haltung und Züchtung eines Pferdes, das den gegebenen Anforderungen entsprach. Um die Herkunft des Namens „Haflinger“ wird viel gerätselt. Es waren vor allem die Bauern und Händler von Hafling und dem Tschögglberg, die diese Kleinpferde züchteten und verkauften, so dass sich im Laufe der Zeit der Begriff „Haflinger“ für die robusten und vielseitigen Pferde einbürgerte.

Die organisierte Zucht der Haflinger begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Stammvater der herdbuchmäßig erfassten Haflinger Pferde gilt allgemein der Hengst „Folie“ geb.1874 (Schluderns), ein Sohn des Halbblutorientalen El Bedavi und einer veredelten Landstute. 1904 wurde am Tschögglberg die "1. Haflingerzuchtgenossenschaft Mölten" gegründet, welche die Dörfer Hafling, Vöran, Mölten und Jenesien umfasste.

Heute obliegt es dem Haflinger Pferdezuchtverband, die Förderung und die Züchtung des Haflinger Pferdes in Südtirol voranzutreiben. Haflinger werden auf der ganzen Welt gezüchtet. Die Anpassungsfähigkeit dieses gutmütigen, zuverlässigen und zähen Bergpferdes wird allgemein bewundert, sodass es immer mehr Freunde und Verehrer gewinnt.

Das einstige Arbeitstier hat sich zu einem Sport- und Freizeitpferd entwickelt. Am Tschögglberg wird auch heute noch der Großteil der Pferde, gemäß einer jahrhundertelangen Tradition, einzeln auf den Gehöften gehalten. Während der Sommermonate findet man die meisten dieser Pferde mit der üppigen, weißen und seidigen Mähne auf den Almwiesen von Meran 2000 bis hin zum Salten oder in den Reitställen am Tschögglberg.

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